Bericht von Dörthe Kortenbruck über ein landwirtschaftliches Praktikum auf dem Klostergut Neresheim im Sommer 2009

Auf der Suche nach einem passenden Praktikumsbetrieb stieß ich im World Wide Web auf die Homepage der Familie Streif. Viele schöne idyllische Fotos und eine breit gefächerte Landwirtschaft waren zu sehen. Alles klang sehr gut und der Betrieb weckte mein Interesse. Von der Legehennenhaltung, Saatgutvermehrung und überhaupt von einem Klosterleben hatte ich noch nicht viel vorher in meinem Leben gehört.  
Nach einem Telefonat und einem kleinen Bewerbungsschreiben fuhr ich an einem Sonntag mit meinem Mitpraktikant aus Göttingen in den Süden Deutschlands, um uns vorzustellen. Es folgte ein Betriebsrundgang mit Herrn Streif und den beiden Söhnen, die sich schon im "Schneeballabwerfen der zukünftigen Praktikanten" übten. Nach einem gemeinsamen Kaffeetrinken mit der Familie war für mich klar hier gibt es bestimmt vieles Neues zu sehen und zu Lernen. Und mit den beiden Jungs wird es bestimmt auch nicht langweilig.
Somit startete mein Praktikum Mitte Juli. Gleich lernte ich die Mitarbeiter Nicolai und Herrn Sunderbring kennen, mit denen wir oft zusammen gearbeitet haben.



Eine tägliche Routinearbeit wurde die Arbeit im Legehennenstall. Jeden Morgen begannen wir um 6.00 Uhr die Eier aus den Ställen 1-5 zu holen in denen jeweils 2100 Hennen untergebracht waren. Zunächst wurden die Temperaturen, die Lüftungsregelklappen, die Tränken und die Futterketten kontrolliert. Mithilfe von Förderbändern konnten wir die Eier per Hand auf 30er Höcker legen und mit speziellen "Eierwagen" ins Auto verladen und zur Eiersortierung fahren. Dann war erst einmal Frühstückszeit.
Jeden Montag und Dienstagmorgen wurden die Eier dann für den Einzelhandel und den Hofladen sortiert und verpackt.
 
Die Saatgutvermehrung ist ein weiterer Bereich des Betriebes. Es werden rund 90 ha Winterweizen, Wintergerste und Sommergerste vermehrt. In diesem Jahr waren es die Sorten Dekan und Tommi beim Winterweizen und Finita und Finesse bei der Wintergerste die angebaut wurden. Als Sommerbraugerste wurde die zweizeilige Sorte Quench vermehrt.
Nachdem das Getreide anerkannt, gedroschen, gereinigt und auf Keimfähigkeit und Reinheit von einem Saatgutinstitut geprobt wird, erfolgt die Beizung. Zusammen habe ich mit Herrn Streif die Beizlösung angerührt und auch den Beizvorgang an der Beizmaschine kontrolliert.
  Dann kam eine der beliebten Praktikantenarbeiten, das Absacken des Saatgutes. Eine Person musste dabei an die Absackmaschine an der das Saatgut in 50 kg Säcke gefüllt wurde. Eine andere Person packte die Säcke mit Hilfe einer Vakuummaschine, dem Easy Lift auf eine Palette. Die Säcke wurden dann noch etikettiert und je nach Abruf der Käufer verladen.
Für mich war auch der Hofladen einer der sehr interessanten Betriebszweige. Frau Streif nahm mich freitags immer mit in den Laden, denn dann gab es frisches Brot aus der Klosterbäckerei und Gemüse aus dem Klostergarten, sodass viele Kunden in den Laden kamen. Nach ein paar Wochen durfte ich sogar alleine Kunden beraten, bedienen und die vielen Produkte von Wurst, Eiern über Nudeln und Honig zu Wollschuhen verkaufen.
 
Insgesamt war die Arbeit auf dem Gut immer abwechslungsreich. Es wurden Kühe umgetrieben, Erdbeeren gejätet, Schweine verladen, Raps und Korn in der Ernte vom Feld abgefahren, Heu gewendet und geschwadet, Hühner aus- und eingestallt, Holunderbeeren gepflückt, die Drillmaschine abgedreht, Schlepper sauber gemacht und Marmelade gekocht. Die Liste lässt sich beliebig fortführen.
Es gab nie Langeweile, und wenn doch wurde natürlich das Berichtsheft geschrieben.



Herr Streif sagte uns, ein Landwirt/ eine Landwirtin muss sich in über 100 Fachbereichen auskennen, von den jeweiligen Auflagen in den Ställen, über die Funktion eines Motors bis zu den Wachstumsstadien einer Pflanze und den Anwendungsbereichen von Arzneimitteln und Pflanzenschutzmitteln. Auch hier lässt sich die Liste fortführen. Aus diesem weit gefächerten Wissen erklärte er uns Praktikanten unermüdlich jeden Tag einen Teil.Bei den Mahlzeiten, auf dem Feld oder einfach zwischendurch wurde sich für uns Zeit genommen. Eine gut gelungene Kombination zwischen Theorie und Praxis und das bekommt man nicht in der Schule oder Uni. Für mich als eher Praxisorientierte genau richtig.


Klasse fand ich, dass mir von Herrn und Frau Streif auch wirtschaftliche Aspekte und die betriebliche Buchführung näher gebracht worden sind. Jede Frage wurde mir beantwortet oder auch zusammen in den betrieblichen Unterlagen nachrecherchiert. Für mich war das Praktikum sehr lehrreich, denn es gibt viele Dinge die man in der Theorie einfach nicht lernen kann und die oft nur in der Praxis vermittelt werden können.


Die Kinder sorgten zwischen Feierabend und Abendbrot oft für die Unterhaltung der Praktikanten. Als Mädchen wurde ich in die Tiefen des Indianerlebens, des Kickerspielens, des Zauberns und in die Welt der Ritter eingeweiht. Ebenso durfte ich auch den ausgedehnten landwirtschaftlichen Fuhrpark von Siku bestaunen und auch mal Weizen dreschen auf einen der vielen Felder, die in der ganzen Wohnung verteilt waren, während die anderen abfuhren.
Als Praktikant war man ganz in die Familie mit eingebunden und immer herzlich willkommen. Gerade dies hat auch dazu beigetragen, dass ich mich immer sehr wohl und nie alleine gefühlt habe. Nochmals vielen Dank an Familie Streif !